Außen

„Die Bauten der 1960er Jahre – schon veraltet, aber noch nicht historisch?“ Diese Frage beschäftigte 2005 den Deutschen Kunsthistorikertag. Aufbruchsstimmung, grenzenloser Fortschrittsglaube und städtebauliche Visionen beeinflussten die Architektur dieser Epoche. Viele der für die damalige Zeit hoch modernen Bauten sind heute ungeliebt und stehen vor dem Abriss oder der grundlegenden Umgestaltung.

Damals entstand auch die Rhein-Mosel-Halle. Und doch hat sie ihren eigenen Charakter, der sie von vielen anderen Bauten dieser Jahre unterscheidet. Den Beton, typischer Baustoff der 60er und von vielen anderen Bauten demonstrativ zur Schau getragen, verbarg sie unter einer Verkleidung. Der quaderförmige Bau mit seinen harmonischen Proportionen wirkte schlicht, aber nicht sparsam oder gar streng wie andere Gebäude der 60er Jahre. Senkrechte Linien prägten die verglaste Fassade, deren einziger Luxus das messingfarbene Mosaik war. Das Seitenverhältnis des Baukörpers fand sich in den vielen Glaselementen an der Frontfassade wieder. Nur einige davon waren echte Fenster. Der Bau war elegant und gleichzeitig bescheiden. Er strahlte Massivität, aber auch Leichtigkeit aus.

An der Fassade und in den Außenanlagen waren einige für die 1960er Jahre typische Baumaterialien zu sehen: Messingfarben eloxierte Aluminiumtüren, mattschwarze Fliesen an den Außenwänden, Treppen und Bodenfliesen aus Waschbeton, Wege und Parkplätze aus Verbundpflastersteinen. Großzügige Rasenflächen ermöglichten den freien Blick auf die Halle von allen Seiten. Geschwungen angelegte Wege und ovale Formen der Grüninseln bildeten einen Kontrast zu der geradlinigen Architektur des Gebäudes.

„Die Nachkriegsarchitektur hat einfach keine Lobby. Schade.“ So schreibt Tim Kosmetschke, Kulturredakteur der Rhein-Zeitung, in seinem Nachruf auf die Rhein-Mosel-Halle (rz-online, 20.10.2010). Ob sich das einmal ändert? Wer weiß. Vielleicht brauchen wir noch einige Jahrzehnte, um den Charakter der heute oft ungeliebten Bauten dieser Zeit zu erkennen und zu würdigen.